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October 2020

Schweinegrippe, Vogelgrippe, Influenza-Pandemie und die Optionen der Homöopathie
Homöopathische Behandlung der Influenza
Eine Betrachtung zu einer potentiellen Influenza-Pandemie

Vom Umgang der Homöopathie mit Epidemien

Einer der Biographen von Samuel Hahnemann - Herbert Fritsche - schildert die Choleraepidemie von 1830 und das therapeutische Vorgehen von S. Hahnemann und dessen Erfolge wie folgt [3]:

„Schon bald sterben in Preußen die Menschen den furchtbaren Choleratod und liegen als Leichen in der typischen Fechterstellung umher. In Köthen bricht Angst aus. Die stolzen Wortführer der offiziellen Medizin, die soeben noch gegen eine Gefahr der Volksgesundheit vorgegangen sind, halten sorgsam den Mund. Jetzt ist die Volksgesundheit wirklich gefährdet und zugleich das galenische Latein ihrer einzig legitimen Hüter am Ende.

Hahnemann erkennt die Möglichkeit, die die Stunde ihm zuweist. In vier Monaten verfasst er vier Abhandlungen über Verhütung und Heilung der Seuche, die er - um der großen Verbreitung willen - ohne jeden Honoraranspruch in die Massen werfen lässt.

Was darf man von dem fanatischen Greis erwarten? Er wird die Cholera darstellen als einen sich in bestimmen Symptomen offenbarenden Genius epidemicus, gegen den irgendeine Hochpotenz angewendet werden muss.

Wenn er das getan hätte, könnte niemand ihm daraus einen Vorwurf erwachsen lassen. Noch kennt man die krankheitserregenden Kleinlebewesen nicht, noch ahnt niemand etwas von einer äußeren oder inneren Desinfektion, um solche Erreger zu vernichten.

Die Leipziger Halbhomöopathen werfen Hahnemann vor, er sei in seinen alten Tagen starr und blind dogmatisch geworden. Als die Cholera vor den Toren von Köthen angelangt ist, hat Hahnemann bereits die rechte Therapie gefunden, um mit ihr fertig zu werden. Wenigstens alle fünf Minuten erhält der Kranke ein bis zwei Tropfen Kampferspiritus. Die Begründung ist so erstaunlich modern, so kühn über den Rahmen der sonstigen homöopathischen Verordnungen hinausgreifend, dass sie wörtlich zitiert werden muss:

‚Der Campher besitzt vor allen andern Arzneien die Eigenschaft, dass er die feinsten Thiere niederer Ordnung schon durch seinen Dunst schnell tödtet, und so das Cholera Miasm (was wahrscheinlich in einem, unsern Sinnen entfliehenden lebenden Wesen menschenmörderischer Art besteht, das sich an die Haut, die Haare usw. der Menschen oder an deren Bekleidung hängt, und so von Menschen zu Menschen unsichtbar übergeht) am schnellsten zu tödten und zu vernichten, und so den Leidenden von demselben und der dadurch erregten Krankheit zu befreien und herzustellen, im Stande sein wird. - In dieser Absicht muss der Campher in voller Ausdehnung angewendet werden‘.

Ist das noch Homöopathie? Spielet hier nicht ganz deutlich das ursächliche Denken der Klinik hinein und sogar deren Lehre von den massiven, direkt chemisch angreifenden Gaben?

Noch sonderbarer: Während die Klinik die ihr wesensgemäßen Heilwege und Mittel gegen die Cholera nicht zur Verfügung hat, geht der Außenseiter Hahnemann den ihm so fremden Weg ohne jedes Besinnen und als hier wie immer erfolgreicher Arzt.

Die Leiden der Kranken werden getilgt, aber muss nicht statt dessen die Reinheit der Idee um so schlimmer leiden? Er selbst versucht auf diese Frage zu antworten:

‚Der Campher ist eine so besondere Arzneisubstanz, dass man sie leicht für eine Ausnahme von allem übrigen zu halten in Versuchung kommen könnte, denn er macht auf den menschlichen Körper einen obschon mächtigen, doch nur gleichsam oberflächlichen Eindruck, welcher zugleich so vorübergehend ist, wie von keiner andern, so dass man bei seiner homöopathischen Anwendung die kleine Gabe fast augenblicklich wiederholen muss, wenn die Heilung einen dauerhaften Erfolg haben soll. Diese beim Campher oft so nöthige Erneuerung der kleinen Gabe beim homöopathischen Gebrauche giebt ihm das Ansehen einer großen Gabe, und diesem Verfahren das Ansehen einer palliativen Behandlung, die es doch durchaus nicht ist, da der Heilerfolg in solchen Fällen dauerhaft bleibt, und seinen Zweck vollkommen erreicht, was ein Palliativ der Natur der Sache nach (als dem Krankheitszustande in seiner Wirkung entgegengesetztes Mittel) nie thun kann, weil es stets in den großen, auch wohl gesteigerten Gaben doch nur eine vorübergehende Scheinhülfe hervorbringen, und das Übel in der Nachwirkung nur sich stets wieder erneuernd und um desto mehr sich verstärkend hinterlassen kann.‘

Das Plädoyer überzeugt nicht. Unversehens ist Hahnemann in ein anderes Denken als das homöopathische hineingeraten. Seine eigenen ärztliche Genialität spiel ihm einen Streich. Die einzig mögliche Choleratherapie seiner Zeit findet und vollendet er - er findet und vollendet sie aber außerhalb des magischen Bezirks seines Simile, den er sonst so entschlossen innehält. Salus aegroti suprema lex, das Heil des Kranken ist oberstes Gesetz.

Für die Spätstadien der Cholera wendet er wiederum echte homöopathische Mittel an, Kupfer, Nießwurz, Zaunrübe und Giftsumach in hohen Potenzen. Jedoch dem Kampfer muss er, mag er sich drehen und werden wie er will, eine Sonderstellung in der Arzneimittellehre anweisen. Es ist ihm allerdings schon vor der Cholerazeit aufgefallen, dass es mit dem Kampfer seine eigene Bewandtnis hat; die „Reine Arzneimittellehre“ berichtet davon. Hier jedoch, im Falle der Cholera, liegt gar das Schwergewicht des Handelns auf einer außerhalb des homöopathischen Rahmens stattfindenden Arzneiwirkung.

Das Problem ist nicht so sonderbar, wie es von ferne scheinen mag. Immer ist Hahnemann willens, dort ein direktes ärztliches Eingreifen, ein ursächlich-technisches Handeln zu gestatten, wo Fremdkörper und mechanische Hindernisse dem gesunden Ablauf im Wege sind, vom eingerissenen Splitter bis zum Knochenbruch. Nun hat der gleiche Mann, der seinem Simile selbst die Grenze setzt, wenn Fremdgewalten aus dem Organismus physisch entfernt werden müssen, das Glück und Unglück in einem, die unsichtbaren Erreger der Cholera zu erkennen. Sie sind ebenfalls winzige, wenngleich lebendige, „Fremdkörper“. Er entfernt sie mittels rasch hintereinander verabreichter Kampfergaben, von denen er weiß und will, dass sie die eingedrungenen Störenfriede vernichten. Einen Splitter entfernt man, indem man ihm herauszieht; einen mikroskopischen Krankheitserreger, indem man ihn tötet.

Die scheinbare Inkonsequenz des Choleraarztes Hahnemann ist in Wahrheit nur eine Erweiterung seiner von ihm selbst anerkannten Ausnahmenfälle auf die Erregerkrankheiten, die er bereits behandeln kann, als andere sie noch nicht einmal ahnen. Bezeichnend bleibt, dass Hahnemann nur dort mittels Kampfer direkt gegen den Erreger angeht, wo die Erkrankung noch frisch ist und dieser gewissermaßen in flagranti beseitig werden kann. Ist hingegen die biologische Auseinandersetzung des Organismus mit dem Erreger in vollem Gang, so wird wie sonst zur rein homöopathischen Arznei gegriffen.

Anmerkung

Manche stöhnen: so viel Zitat!, ein so langes Zitat! Aber es ist hier unbedingt wichtig, das Ganze zu zitieren, weil die Essenz [von den Verfassern durch Dickdruck hervorgehoben] so klarer zum Ausdruck kommt: zunächst die direkte Erregervernichtung - sozusagen in flagranti - mit dem Aseptikum Campher, danach - bei Erscheinen der Individualsymptome - die homöopathischen Mittel Bryonia, Cuprum, Rhus toxicodendron und Veratrum bei Erscheinen. Sozusagen ein zweiphasiges Vorgehen des Meisters selbst!

In diesem Zusammenhang berichtet auch A. v. Gebhardt über die Erfolge der Homöopathie bei der Behandlung dieser o. g. Seuche [4]:

„In den Jahren 1830 und 1831 wurden in Russland in den von der Cholera ergriffenen Gouvernements Saratoff, Tambtoff und Twer 1270 Patienten homöopathisch behandelt: 1162 davon genasen, 108 starben. Demnach kommen auf 100 Erkrankte 91 3/5 Genesene und 8 2/5 Gestorbene, und es ist höchst merkwürdig, dass dieses Verhältnis dem Ergebnisse der homöopathischen Behandlung der Cholera in Ungarn, Mähren und Wien fast ganz gleich ist.

Der Königliche Kreisphysikus Dr. Strecker in Dingelstedt hat in einem Dorfe des Eichfeldes von 58 homöopathisch behandelten Cholerakranken 54 gerettet und die Resultate seines Verfahrens der Königlichen Regierung zu Erfurt vorgelegt. (Vgl. Schweickerts Zeitung vom Jahre 1832, Nr. 50.)

Zu Mühlhausen in Thüringen starben innerhalb 11 Wochen von 400 allopathisch behandelten Cholerakranken 214 (nach amtlichen Berichten), während ebendaselbst vom Chirurgus Wohlleben aus Körner (im Gothaischen) von 43 homöopathisch behandelten Cholerapatienten nur 10 starben. (Vgl. „Allg. Anzeiger d.D. “ vom Jahre 1832, Nr. 335.)

Als im Jahre 1854 die Cholera nach Palermo kam, erkrankten daselbst 1513 Soldaten; also Leute, die in betreff der Nahrung, Kleidung, Wohnung, Beschäftigung, der Körperkräfte, des Alters, kurz aller irgendmöglichen Verhältnisse, möglichst gleichgestellt waren. Von diesen wurden allopathisch behandelt 902 und starben 386, also über 42 %; homöopathisch behandelt wurden 611, von denen nur 25, also kaum 4% starben.

In dem obengenannten Jahre suchte die Cholera auch die Caraibischen Inseln heim, und auf der „Perle“ dieser Inseln, Barbados, erkrankten 2113 Personen. Von 346 allopathisch Behandelten starben 154, von den 1767 homöopathisch Behandelten jedoch bloß 370.

In demselben Jahre erkrankten auch zu Raab in Ungarn 1371 Personen an der Cholera. Von diesen vertrauten sich 1217 allopathischen Ärzten an, und es starben von ihnen 578, währen von den 154 Patienten des homöopathischen Arztes Dr. Bakody nur 6 starben. “


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